Best Case Scenario 

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Die Mutter aller Krisen

In Telepolis ein sehr lesenswertes Interview mit Robert Kurz, seines Zeichens Krisentheoretiker und deswegen auf meiner Seite mit hoher Kompetenzvermutung bedacht, sprich: Ich kann dieses verdammte Politiker-Geschwätz, diese dreisten Lügen nicht mehr hören – deswegen bin ich dankbar um fundierte andere Meinungen, bitte mehr Links zu dem Thema in die Kommentare. Das Thema ist gleichwohl komplex wie unbeschreiblich wichtig. Ich denke, in genau solch schlimmen Zeiten (Umverteilung unserer Gelder auf die Superreichen, Bundeswehreinsatz im Inneren – all das passiert gerade, wahnsinn!), kombiniert mit einer katastrophalen massenmedialen Versorgung an echten(!) Informationen ist es umso wichtiger, informiert und nicht verblendet (ein Freund drückte es sehr schön aus: ..in einer Zeit, wo den Menschen die Beschäftigung mit allem was komplexer als Knut ist, schwer fällt..) als mündiger Bürger all dem begegnen zu können!

Laut Marx ist die “Substanz” von Wert und Verwertung (Mehrwert) die Verausgabung abstrakter menschlicher Energie in dieser gesellschaftlichen Form. Arbeitskraft kann aber nur auf der jeweiligen Höhe des von der Konkurrenz gesetzten Produktivitätsstandards angewendet werden. Darin liegt ein systemischer Selbstwiderspruch, der auf wachsender historischer Stufenleiter in Erscheinung tritt. Je höher die Produktivkraft durch Verwissenschaftlichung, desto geringer die Wertsubstanz der einzelnen Ware und desto größer die Vorauskosten der Produktion. Die Bewegung dieses Widerspruchs führt dazu, dass die Märkte unaufhörlich wachsen müssen und die Verwertung immer stärker vom Kredit als Vorgriff auf zukünftigen Mehrwert abhängig wird.

In der 3. industriellen Revolution der Mikroelektronik kulminiert dieser Widerspruch. Wachstum geht nur noch durch wachsende Verschuldung auf allen Ebenen, also durch einen immer größeren Vorgriff auf zukünftigen Mehrwert, der real nicht mehr eingelöst werden kann, weil die Produktivitätssteigerung die Wertsubstanz aushöhlt. Bereits in den 80er Jahren begann sich der “Finanzüberbau” von der realen Mehrwertproduktion zu entkoppeln. Globale Massenarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Prekarisierung einerseits und die Expansion von “fiktivem Kapital” andererseits bildeten die Kehrseite derselben Medaille.

Auch wenn es sich nicht ganz einfach liest – bitte unbedingt vollständig lesen, das ist das plausibelste, was mir bislang zum Thema untergekommen ist! Und schließt (fast) mit:

Telepolis: Peer Steinbrück hat einen so genannten 8-Punkte-Plan zur Beseitigung des Bank-Unheils vorgelegt. Was halten Sie von seinen Vorschlägen?

Robert Kurz: Dieser optimistisch so genannte Plan ist ein hilfloses Quatschprogramm und sowieso schon nach wenigen Tagen Makulatur. Er enthielt nur ebenso banale wie wohlfeile Forderungen nach “mehr Transparenz” der Bankgeschäfte, völlig unbestimmte Ãœberlegungen zur Re-Regulierung und das populistische Anwamsen an den Volkszorn gegen “zu hohe Managergehälter” als bloßes Ablenkungsmanöver.[…]

Im Netz gibt es ja so eine Unart, Lesebefehle zu vergeben. Würde ich das auch machen, wäre dieser Artikel sicher mit dabei!

Und bitte: Links in die Kommentare, Diskussion in den Kommentaren – wie ihr wollt, aber nicht resignieren, das zählt nicht!

[Foto: Motograf@Flickr]

 

6 Antworten

  1. Oskar Lafontaine im Bundestag zu internationalen Finanzmärkten und gesellschaftlichen Auswirkungen:
    http://www.youtube.com/watch?v=z-Rg1IVasVw

    Aufgrund solcher Reden und der Komplexität, die Angie ja ihren Bürgern nicht zutraut, wundert man sich nicht, warum er so niedergeschrieben wird von unseren Medien..

  2. Geil, um es gleich mal deutlich zu machen, wie ernst es der Bundesregierung ist, _nichts_ zu verändern, ernennen sie den früheren Bundesbank-Präsidenten:
    “Der Mann wäre die klassische Fehlbesetzung”. Offenbar hätten die privaten Banken ihren Einfluss im Kanzleramt geltend gemacht, “damit irgendein Bremser und Weichspüler eingesetzt wird”. Mit Tietmeyer werde “der Bock zum Gärtner” gemacht.
    Sehr schön, er selbst lehnt ab, SPD und Linke sprechen Klartext:
    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/tietmeyer102.html

  3. “Die Rettung taumelnder Banken durch den Staat wird als »Sozialismus« verteufelt. Doch worin bestünde die Alternative? Das Gerede vom freien Markt war schon immer eine Lüge”
    http://www.zeit.de/2008/42/Finanzen-und-Gesellschaft?page=1

  4. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28961/1.html

    “Das Rettungspaket für die Finanzbranche steht und trat dieses Wochenende in Kraft. Was von der Politik rhetorisch als Rückkehr des starken Staates kommentiert wird, ist jedoch ein intransparentes Werk, das so auch aus der Feder der Finanzwirtschaft stammen könnte. Kein Wunder, der federführende Autor des Gesetzes gilt als Mann der Finanzbranche.”

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