Systems: Shutdown!

23 Okt 2008

Heute war ich auf der Systems. Leider.

Es war einer der uninspirierendsten Tage der letzten Monate, ich habe wirklich genau nichts neues oder spannendes erfahren und nochmal für mich festgestellt, wie die Old-Economy-IT-Szene so genau nichts mit meiner Mediensozialisation und -nutzung zu tun hat..

Am Ende des Tages gab es doch noch 2 Lichtblicke, weswegen ich dann doch ganz versöhnt nach Hause fahren konnte. WitzigerÜberraschenderweise beim Bitkom, Lobbyverband der Branche, gab es interessante Themen: Eric Wahlforss sprach zu Soundcloud, deren Potential ich bislang wohl unterschätzteähmdie ich unbedingt nochmal genauer ankucken muss. Ausserdem Stefanie Hoffmann, Geschäftsführerin vom wohlbekannten Aka-Aki, die sehr witzig und charmant immer wieder die Unterschiede zwischen dem Web1.0-Publikum und ihrem Web2.0-Unternehmen süffisant aufgriff :-)

Naja, letztlich bleibt nur eines zu sagen:

Systems: Shutdown! Mach es uns allen doch nicht so schwer..

Computermedienpädagogik

zertifikat.jpgGeschafft. Nach 1,5 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit Medienpädagogik im Weiterbildungsprogramm “Computermedienpädagogik” des Studienzentrum für evangelische Jugenarbeit in Josefstal durfte ich Donnerstag Abend das Zertifikat in Händen halten.

Ein kurzer Rückblick:

Das Weiterbildungsprogramm wird durch Prof. Dr. Roland Bader und Wolfgang Schindler geleitet, zu den Personen:

Prof. Dr. Roland Bader

Dr. phil., Diplom Psychologe; geb. 1958

Arbeitsbereiche
Seit September 2003 Professor für Medienpädagogik an der Fachhochschule Hildesheim / Holzminden / Göttingen.
Seit 1987 in der Medienpädagogik und aktiven Medienarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen, im Medienzentrum Parabol (www.parabol.de), dem Wissenschaftlichen Institut des Jugendhilfswerks Freiburg (www.jugendhilfswerk.de), und dem Studienzentrum für evangelische Jugendarbeit in Josefstal e.V. (www.josefstal.de).

Ausbildung und berufliche Tätigkeit
Diplompsychologe, Ausbildung in Gestalttherapie.
Schwerpunkte: Medien und männliche Sozialisation, Medienpädagogik mit sozial benachteiligten Gruppen, kreative Arbeit mit audiovisuellen und IT-Medien, insbesondere Computergrafik, Video, Multimedia und Internet, eLearning in der Jugend- und Erwachsenenbildung.

Wolfgang Schindler

geboren 1950 in München, verheiratet,
drei erwachsene Kinder.
Dozent im Studienzentrum Josefstal
mit sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt,
stellvertr. Studienleiter

Arbeitsbereiche

* Konzipierung, Durchführung und Qualitätsmanagement
des Fort- und Weiterbildungsprogrammes
* Studienarbeit
Konzeptionsfragen der Jugendarbeit, Didaktik der beruflichen Fort- und Weiterbildung
* Computermedienpädagogik
Bildungsprozesse, Kommunikation und Interaktion mit Online-Medien
* eLearning und kollegiale Beratung online
* Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
für das Studienzentrum und als Bildungsangebot
* Projektentwicklung und -begleitung
in Einrichtungen der Jugend- und Bildungsarbeit
* Supervision
Einzel- und Gruppensupervision (nebenberuflich) mit dem Schwerpunkt Leitungsberatung und Personalentwicklung
* analytische Gruppendynamik
Ausbildungsausschuss der GaG-Sektion Gruppendynamik und Gruppenanalyse

Ausbildung

Studium der Pädagogik an den Universitäten München und Regensburg,
mit dem Studienschwerpunkt ‘Jugendarbeit und Erwachsenenbildung’ sowie ‘evangelische Theologie’ und ‘linguistische Datenverarbeitung’ ;
Diplom 1976.
Auslandsstudium und Zertifikat als ‘Youth- and Community-Worker’ am Moray House College of Education, Edinburgh.

Ausbildung zum Gruppenanalytiker; (GaG); Diplom 1989.
Aufbauausbildung als Supervisor; (GaG); Diplom1991.

Ausserdem werden zu bestimmten Themen immer wieder Gastdozenten eingeladen.

Die Weiterbildung ist in 7 Bereiche aufgeteilt, 4 Präsenzseminare, 2 e-Learing-Seminare und das Praxisprojekt:

  • MaC-Basics
    • In diesem Kursteil wird man in die Themen der Weiterbildung eingeführt, setzt sich mit Grundsätzen der Medienpädagogik auseinander und lernt die Grundhaltung der Leiter und deren grundsätzliche Ausrichtung zu MaC – Menschen am Computer – kennen. Nach dieser Woche ist es sowohl den Teilnehmern wie den Leitern vorbehalten, die Teilnahme am Programm zu beenden.
  • MaC-Soz
    • Im ersten Online-Seminar werden erste Erfahrungen zur Bildungsarbeit im Netz gemacht, ein Arbeitsraum auf der Lernplattform Moodle wird im ersten Präsenzseminar schon durch die Teilnehmer angeeignet, um dann im e-Learning-Seminar sowohl Inhalte, wie Medienkompetenz, Identitätsbildung aber auch gestalterische Grundkenntnisse, Typografie etc. vermittelt zu bekommen, als auch den Lern-Prozess und die Unterschiede zum Präsenzlernen zu reflektieren.
  • MaC-Digit
    • Die gestalterischen Ansätze aus dem e-Learning-Seminar werden vertieft, Grundlagen ästhetischer Kommunikation vermittelt und diskutiert. Weiter werden viele Konzepte digitaler Veröffentlichung erkundet und Einblicke in unterschiedliche Content-Management-Systeme, Wiki-Plattformen, Weblogs etc. gegeben. Auch Kritik zu digitalen Medien und Entwicklungen kommen nicht zu kurz, neue Probleme mit Persönlichkeitsschutz, Digital Rights Management und Datensicherheit werden (heiß) diskutiert und vertieft.
  • MaC-Net
    • Im zweiten Online-Seminar werden Konzepte zu Projektmanagement, die im lezten Präsenzseminar angerissen wurden, vertieft – insbesondere zur Vorbereitung auf das eigene Praxisprojekt. Weiter werden virtuelle Welten erforscht, was tun Menschen dort, wo halten sie sich auf, was ist der Antrieb – Sozialpsychologie des Internets. Auch in diesem Kursteil wird das eigene Praxisprojekt Thema, Themen werden heraus gearbeitet, Planung und Projektsteuerung werden auf Meta-Ebene besprochen und verfeinert.
  • MaC-Paed
    • Im dritten Präsenz-Seminar geht es insbesondere um die eigene praktische Arbeit, vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Lernkonzepte, die sich insbesondere für Bildungsarbeit mit digitalen Medien eignen, werden genauso eingeführt wie Ansätze zur Mediendidaktik. In bewährter Weise steigt auch dieser Kursteil mit einem “Praxis-Wochenende” ein, zum ebenso entspannten wie anregenden Einstieg in die Kurswoche – in diesem Kursteil mit “Digital Storytelling” – Geschichten erzählen in Multimedia, unterstützt durch Autorensoftware. Zum Ende der Woche wird nochmal die eigene berufliche Identität in den Blick genommen, Themen der Selbstvermarktung etc. besprochen.
  • MaC-Projekt
    • Ein vollständiges computermedienpädagogisches Projekt wird durch die Teilnehmer geplant, durchgeführt und am Ende durch einen Projektbericht reflektiert und ausgewertet. Durch die Begleitung der Dozenten durch das gesamte Projekt kann die eigene pädagogische Praxis nochmals fundiert unter die Lupe genommen, Feedback eingeholt und eigene Konzepte zur Medienpädagogik verfeinert und ausgearbeitet werden.
  • MaC-Prof
    • kolloquium.jpgIn der letzten Kurseinheit geht es um die eigene berufliche Professionaliät. Im Rahmen einer bundesweit ausgeschriebenen Fachtagung kann das eigene Praxisprojekt der interessierten Fachwelt vorgestellt werden, im Kolloquium werden die Konzepte mit Experten der Medienpädagogik diskutiert – in meinem Fall waren das Kathrin Demmler vom JFF, Institut für Medienpädagogik; Alexander Buck, Medienbeauftragter der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und Lambert Zumbrägel, Medienfachberater in Würzburg und Vorsitzender des CMP-Netz. Den Einstieg ins Thema gab Prof. Dr. Bernd Schorb zum Thema: “Web2.0 – trojanisches Pferd in der Bildungsarbeit”.

Soweit zum Rahmen.

maclogo_klein.jpgDas Weiterbildungsprogramm MaC – Menschen am Computer zum Computermedienpädagogen ist uneingeschränkt zu empfehlen. Die konsequente Ausrichtung der Dozenten auf die Menschen vor den Maschinen und nicht die Maschinen selbst, lässt einen selbst und die Kursgruppe niemals vergessen, worum es eigentlich geht: Die Nutzung digitaler Medien zur Selbstentfaltung der Jugendlichen, produktive Medienpädagogik um Medienkritik anzuregen und Medienkompetenz auf- und auszubauen. Auch in meiner Gruppe wurde deutlich, das egal aus welcher “Ecke” man kommt, religionspädagogischer Arbeit, offener Jugendarbeit, Verbandsarbeit, Jugendhilfe oder welchem eigenen Zugang man zu neuen Medien hat, eher technischer, sozialer usw. Mediensozialisation, immer der Focus auf die Menschen erstmal der richtige ist – und erst im 2. Schritt es um technische Umsetzung und der Entscheidung, welcher Medieneinsatz geeignet scheint, gehen kann.

Auch zur eigenen pädagogischen Praxis (fern von digitalen Medien) kann viel gelernt werden, ein völlig faszinierendes Zusammenspiel der unterschiedlichen Ausrichtungen und Ausbildungen der Dozenten, Wolfgang Schindlers Hintergrund als Supervisor und aus Themenzentrierter Interaktion, Roland Baders Zugang über gestalttherapeutische Elemente in die produktive Medienpädagogik und – gestaltung, lassen einen oft erstaunt beobachten, wie ein sinnvoller Wechsel aus Praxisarbeit mit eigenen Erfahrungen und Reflexionsrunden der eigenen Identitäts- und Haltungsentwicklung als Computermedienpädagoge dienen, aber auch stets auf die eigene Arbeit mit Gruppen übertragbar sind und bleiben.

So, nun bin ich Computermedienpädagoge – was schön ist, wodurch ich aber auch meine Kursgruppe “verloren” habe, mit denen ich die letzten Jahre einen intensiven, produktiven bis hin zu freundschaftlichen Prozess erlebt habe. So ging es auch anderen Kursgruppen vor uns schon..

cmp.jpgDiese kamen auf die sehr schöne Idee der Gründung eines Netzwerks. Das “CMP-Netz” – das Netzwerk Computermedienpädagogik, das, wie es sich auch durch die Weiterbildung zog, fachlichen Austausch ermöglichen, Beziehungen pflegen und vor allem auch Menschen in Kontakt halten will. Meine Mitgliedschaft ist schon in Arbeit und ich freue mich schon auf den Austausch im Kreise der Kollegen und Kollegin – in Mehrzahl hoffentlich demnächst, wenn sich auch die Frauen aus meinem Kurs einfinden :-)

solarium.jpgWas bleibt, ist die Frage nach Computermedienpädagogik mit oder ohne Computer im Namen. Diese Diskussion wird schon länger geführt und wurde auch wieder auf der Fachtagung geführt. Ich bin tendenziell eher auf der Medienpädagogik-Seite, da der Begriff inzwischen die Arbeit auch mit Computer einschließt – der Begriff entstand in einer Zeit, als dies noch nicht so wahr – sprich: Die Diskussion um den Computer in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eher Gefahrenbetont geführt wurde, um es mal nett zu umschreiben. Dabei gilt die Anerkennung an Wolfgang Schindler und Roland Bader (und natürlich auch einigen anderen), die damals schon die Chancen auch für die pädagogische Arbeit sahen und in unzähligen Fortbildungen und Workshops das Thema voran trieben. Somit: Computermedienpädagogik als Anerkennung einer Leistung und Abgrenzung in der Vergangenheit, mit Medienpädagogik als Wiederversöhnung und Schulterschluss in die Zukunft.

[Fotos by: Christa Beck; Solarium-Bild: CC by Thoddy, blog.39punkt.de]

wer die wahl hat..

Die letzten Wochen war ja viel Thema, das flächendeckend elektronische Stimmzettelauswertung zur Kreistagswahl eingesetzt wird (nicht zu verwechseln mit der elektronischen Stimmabgabe, also direkter Eingabe in einen PC). Bei den Grundsätzen zur Wahl wurde darauf hingewiesen:

wahl_grundsaetze.jpg

Beim Wahlschein selbst wurde das ganze dann deutlich:

wahl_stimmzettel.jpg

Jeder Gesamtparteienvorschlag sowie jeder einzelne Kandidat war mit einem kleinen Barcode versehen (vermutlich der ganz einfache EAN, aus dem Handel bekannt, sicherlich kein 2D-Barcode).

Den Wahlleiter nach dem Ablauf befragt, erklärte mir, dass im Verwaltungsbezirk Reichling die Stimmauszählung folgendermaßen abläuft:
Jeder Stimmzettel ist wohl mit einer eindeutigen Nummer versehen. Anhand dieser Nummer wird der Stimmzettel an einem PC aufgerufen, dann werden anhand der unter dem Strichcode stehenden Zahlen die Kandidaten durch den Wahlhelfer aufgerufen und die entsprechende Stimmanzahl eingetippt. Der Schritt des Aufrufs anhand der Zahl ist wohl in manchen Wahlbezirken durch einen Barcode-Scanner nochmals vereinfacht – die Aussage “in Landsberg machen se des so” lässt vermuten, das nur größere Wahlkreise mit Scannern ausgestattet wurden.
Der Zugang zu den Räumen der Stimmauszählung wurde mir nicht gewährt, nicht während der Wahl, noch während der Auszählung – der Aussage, dass zur Zählung nur Presse zugelassen sei, konnte ich leider mangels Sachkenntnis nicht widersprechen.

Erst im Nachhinein fiel mir folgendes auf:
Wenn jeder Schein mit einer eindeutigen Nummer versehen ist (ich konnte das dann, als es mir auffiel leider nicht mehr verifizieren), ist es mit einer geheimen Wahl nicht mehr weit her. Allein eine ansteigende Sortierung des Stapels der Stimmzettel sowie der abgegebenen Wahlscheine ließe eine eindeutige Zuordnung zu. Je länger ich darüber nachdenke, desto bedenklicher finde ich die Sache – oder wahlweise unwahrscheinlicher. Ich vermute eher eine unklare Erklärung des Vorgangs durch den Wahlleiter, bis ich diese Aussage bestätigen kann.

Weiter ist der Vorgang des maschinellen Einlesens der abgegebenen Stimmen zwar noch nicht so bedenklich, wie ein Wahlcomputer, da die Wahl vollständig über Papier nachvollzogen und ggf. nochmals nachgezählt werden kann. Dennoch birgt das maschinelle Lesen viele Gefahren: Zum einen nimmt sie den Wahlhelfern das Denken ab, d.h. es findet keine Plausibilitätsprüfung durch die Menschen vor Ort mehr statt – programmier ich die Maschine so, das die Stimme für eine Partei doppelt gezählt wird, wird das vermutlich niemand auffallen. Weiter wird Technik eingesetzt, die durch die Menschen vor Ort nicht zu durchschauen ist – in vielen Dörfern, und das wird noch lange so bleiben, herrscht nach wie vor eine hohe Technik-Resistenz, Manipulationsversuche durch Einzelne bzw. vorab manipulierte Rechner werden ganz sicher nicht im kleinen Wahllokal um die Ecke entdeckt werden.

Der CCC gab noch eine ausführliche PM zum Thema raus:

Bei der barcodegestützten Auszählung, die vor sechs Jahren bereits einen ersten Testlauf in Bayern absolvierte, handelt es sich um ein System bestehend aus Computer, Barcodescanner, USB-Stick und einer Software von der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB). Die einzelnen Komponenten sind trotz Lizenzierung des Verfahrens durch das bayerische Innenministerium einfach manipulierbar; zusammen ergeben sie ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Kommunalwahl am 2. März.

Zu o.g. Thema hab ich bei netzpolitik noch einen Kommentar gefunden, ein Wahlhelfer beschreibt, das der Code zur Auszählung des Stimmzettels nachträglich angebracht wird, also ein Aufkleber.

Nach dem Öffnen der Wahlurne und dem Sortieren womöglich falsch eingeworfener Stimmzettel (…) werden zunächst alle Stimmzettel individualisiert. Dies darf natürlich nicht vor der Wahl geschehen, damit das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Dies bedeutet, dass jeder Stimmzettel zunächst in der linken oberen Ecke einen individuellen Barcode erhält. Diese Barcodes sind innerhalb einer Gemeinde absolut individuell, d.h. auch unterschiedliche Stimmbezirke (Wahllokale) bekommen unterschiedliche Nummernbereiche.

Das beruhigt etwas, ein weiterer Gedanke dazu lässt die Beruhigung aber schon wieder abflauen:

Wenn ich mir die Wahlzettel mit dieser maximalen Anzahl an Barcodes so vorstelle, stellt sich mir schon eine wichtige Frage:
Wer garantiert uns denn, daß nicht irgendeiner dieser Barcodes meinen Wahlzettel personalisiert?
Soll/kann ich denn vorher alle Barcodes überprüfen um z.B. sicher zu gehen, daß sich nicht hinter einem davon die Nummer meines Eintrags ins Wählerverzeichnis des Abstimmungsbezirks verbirgt?

Man beachte nochmals das Foto des Stimmzettels oben, es ist praktisch unmöglich, dies zu überprüfen.

Der CCC-Regensburg hat noch einiges Material zur Kommunalwahl 08 in Bayern gesammelt.

Letztlich bleibt genau eine Frage: Wer profitiert von der ganzen Sache? Warum wird ein Wahlsystem, das bislang hervorragend funktioniert hat, ohne Notwendigkeit umgestellt? Die immer wieder hoch gehaltenen Grundfeste einer Demokratie werden ihrer Basis enthebelt oder zumindest gefährdet, ohne das es dafür einen ersichtlichen Grund gibt – es sei denn, man bringt die Möglichkeit einer bewußten Manipulation ins Spiel (neben dem sicherlich riesigen Industriezweig, der sicher auch ordentlich Lobbyarbeit geleistet haben wird).

Auf Nummer Sicher?

Eben einen sehr empfehlenswerten Film über RFID gesehen. Halb fiktive Geschichte, halb Dokumentation mit realen Bildern geht dieser ZDF-Film genau den richtigen Weg, um Otto Normal, dem Technik und die gesellschaftlichen Folgen dessen egal sind, zu erreichen.

Ein kurzer Trailer auf youtube:

[youtube]http://youtube.com/watch?v=kmtdfCJiJeE[/youtube]

Den vollständigen Film gibts auf archive.org.

Sandra hat seit längerem endlich wieder einen bezahlten Auftrag. Sie soll für den “Interessenverband RFID” (Radio Frequency Identification) einen Werbefilm für die neue Micro-Chip-Technologie herstellen. Der Film soll einen Kongress in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eröffnen, an dem hochrangige Politiker und viele Journalisten teilnehmen werden.

Nur wenige Wochen nach der Veranstaltung werden im Bundestag und vor der EU-Kommission wichtige Beschlüsse zum Thema RFID vorgelegt werden – die Veranstaltung ist also dazu gedacht, die Politiker von der neuen Technologie zu überzeugen. Nicht zuletzt geht es um einen Milliardenauftrag für die Hersteller und jede Menge Arbeitsplätze, wenn der Chip nicht nur in den Reisepass, sondern auch in den Personalausweis integriert werden wird.

“Auf Nummer sicher?” arbeitet neben der skizzierten Spielfilmhandlung ebenfalls mit Experten-Interviews, echtem Dokumentarmaterial und einer Mischform aus dokumentarischen Aufnahmen, in denen fiktive Figuren auftauchen und findet so eine formal äußerst spannende und zeitgemäße filmische Mischform.

Unbedingt ansehen und vor allem weiter verbreiten. Leider ist nur einem Bruchteil unserer Gesellschaft klar, was im Moment passiert und stillschweigend von den meisten zugelassen wird!

24C3-Empfehlungen

Wieder mal ging ein Chaos Communication Congress in Berlin zu Ende, wieder sind sehr viele (alle?) Vorträge dokumentiert. Hier meine bisherigen Empfehlungen:

TOR
Erdgeist, Julius Mittenzwei, Andreas Lehner

Die Vortragenden berichten über den Betrieb und das Abuse-Handling des Anonymisierers.
Weitere Aspekte werden erörtert: Was plant der CCC hinsichtlich Anonymisierungstechniken? Welche Angebote kann der Club Exit-Node-Betreibern machen, wenn sie das Risiko einer Hausdurchsuchung nicht eingehen können?

NEDAP – Wahlcomputer in Deutschland
Frank Rieger, Constanze Kurz

Wir bringen Euch auf den neuesten Stand, was den Einsatz der NEDAP-Wahlcomputer in Deutschland betrifft.

Desperate House-Hackers – How to Hack the Pfandsystem
Nils Magnus

Wie funktionieren eigentlich diese Pfandflaschenrücknahmeautomaten?
Wir finden es heraus.

Tracker fahrn
Denis, Erdgeist, Christian Yxen

We Track Harder – We Track More! Take the pain out of running a Bittorrent-Tracker!

Bittorrent aus der Sicht von Bittorrent-Tracker Betreibern.
Eine Einführung in die Protokolle und eine lustige Reise durch die Unwägbarkeiten, die sich einem freien und offenen Projekt für die Community so in den Weg stellen.

Programming DNA – A 2-bit language for engineering biology
Drew Endy

Biological engineering does not have to be confined to the laboratories of high-end industry laboratories. Rather, it is desirable to foster a more open culture of biological technology. This talk is an effort to do so; it aims to equip you with basic practical knowledge of biological engineering.

Elektronische Dokumente und die Zukunft des Lesens
Steini

Warum es so ewig gedauert hat, bis Bücher auf geeigneten Geräten lesbar wurden, und was uns noch erwartet

Linguistic Hacking
Martin Haase/maha

How to know what a text in an unknown language is about?

23 Wege für Deine Rechte zu kämpfen
Markus Beckedahl

Wie man sich selbst mit den eigenen Stärken für unsere Bürgerrechte einsetzen kann

Chaos Jahresrückblick
Constanze Kurz, Frank Rieger, Andy Müller-Maguhn, Frank Rosengart

Wir stellen die Aktivitäten des und Geschehnisse im Chaos Computer Club im abgelaufenen Jahr vor. Hierunter fallen sowohl die Kampagnen des CCC, die Lobbyarbeit sowie Berichte und Anekdoten von Veranstaltungen innerhalb des CCC als auch Vorträge und Konferenzen, an denen CCC-Vertreter teilgenommen haben.

In dem Zusammenhang auch sehr interessant: Hacker, Hacker, Bürgerrechtler, Artikel in der Zeit

Toying with Barcodes
FX of Phenoelit

Jemandem einen Strich auf die Rechnung machen
The talk focuses on 1D and 2D barcode applications with interference possibilities for the ordinary citizen. Ever wondered what is in these blocks of squares on postal packages, letters and tickets? Playing with them might have interesting effects, reaching from good old fun to theft and severe impact.

 

Das Panoptische Prinzip – Filme über die Zeit nach der Privatspähre
Stefan Sels, Ralph Kusserow, Yvette Krause, Christine Ketzer

Ergebnisse des Minutenfilmwettbewerbs des C4 und des Kölner Filmhauses

Hier muss ich allerdings dazu sagen, das mich nur wenige Filme wirklich angesprochen haben, ehrlich gesagt, war ich insgesamt sogar ziemlich enttäuscht – nur wenige Perlen unterbrachen z.T. sehr krudes Zeug, wer nicht 2 Stunden investieren will, sollte sich den ersten und den letzten Filmblock ansehen, dann hat er die imho besten Umsetzungen gesehen.

Wahlchaos – Paradoxien des deutschen Wahlsystems
Markus Schneider

Wahlchaos beschäftigt sich mit Wahlverfahren aus mathematischer und politischer Sicht. So wurden die Wahlen von 1998, 2002 und 2005 betrachtet und a-postpriori manipuliert und ihre Auswirkungen diskutiert.

Die Wahrheit und was wirklich passierte
Ron, Frank Rieger

Jede Geschichte hat vier Seiten.
Jede Geschichte hat vier Seiten. Deine Seite, Ihre Seite, die Wahrheit und das, was wirklich passiert ist.

 

OpenStreetMap, the free Wiki world map
Frederik Ramm

3 years done – 10 to go?
The OpenStreetMap project has achieved remarkable successes in creating a free world map, and is growing fast. This talk gives an overview of what we do, why we do it, and what our data can be used for.

 

Hacker Jeopardy – die ultimative Quizshow
Stefan ‘Sec’ Zehl, Ray

Die ultimative Hacker-Quizshow
Das bekannte Quizformat – aber natürlich mit Themen, die man im Fernsehen nie zu sehen bekäme.

Man wird vermutlich nichts lernen, was man als Nicht-Super-Geek wissen muss, witzig und unterhaltsam ist es aber allemal.

FeM-Streaming und Encoding
Sway, Felix von Leitner

Das Streaming-Team der FeM e.V. möchte zum Abschluss des 24C3 einen Überblick über die Streaming-Aktivitäten geben, ein paar Statistiken jonglieren und sonstige (Un-)Auffälligkeiten und Stories berichten.

Hier hatte ich mir deutlich mehr Inhalt erwartet, der Job, Live vom C3 zu streamen plus alles aufzuzeichnen, dabei zig Terrabyte übers Netz zu schicken war ja schon super spannend und auch gut vom FeM umgesetzt, dennoch gab es leider nur wenige Einblicke in technische Details.