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Smartphones auf Reisen

Traditionell beende ich meine Reise mit einem Artikel auf meinem Blog – letztes Jahr war eine Ausnahme, damit ist Brasilien und Argentinien leider nicht dokumentiert.

myanmar

Myanmar und Philippinen kommen nicht viel besser weg – stattdessen dokumentiere ich digitale Tools und Apps fürs Reisen. Dieses Jahr habe ich zum ersten mal mein Smartphone als solches beim Reisen benutzt. Klar hatte ich schon oft ein Handy mit auf Reisen, auch etliche male mit lokalen SIMs und auch schonmal mobiles Guthaben. Reiseplanung und -organisation liefen dennoch immer mehr oder weniger klassisch ab: der Travel-Bibel Lonely Planet, Stefan Loose und Co. – oder eben viel auch vor Ort, mit “hilfsbereiten” Locals und mit hilfsbereiten Locals.

Reiseplanung mit TripAdvisor

Keine Lust habe ich auf Buchungen wochen- oder gar monatelang im voraus. Ich fliege in ein Land und kucke was passiert – was dabei enorm hilft, ist eine kompakte Einführung in Ort und beste Gegenden fürs jeweils vorhandene Budget, da ist Lonely Planet sehr stark und deswegen u.a. so beliebt. Dieses Know-How auch digital bei Lonely Planet zu suchen lag nahe – und tatsächlich gibt es zahlreiche Apps im Store, doch ihren Klassiker – ein kompaktes Angebot pro Land/Reiseregion – sucht man vergeblich. Als eBook inzwischen vorhanden, war dies erst eine Überlegung, auch der Kindle ist im Gepäck. So richtig gut das digitale genutzt ist das jedoch nicht, also weiter gesucht.

Sehr positiv überrascht hat mich TripAdvisor – nicht dass das jetzt ein Geheimtipp wäre, doch hat mich die Plattform nie richtig gepackt, auch wenn ich seit Urzeiten einen Account habe, dort auch alle meine Reiseziele schon früh dokumentiert habe usw. Eine Mischung aus schlechtem Design und dem Gefühl von liebloser Aufbereitung hielten mich wohl davon ab. Umso erfreuter war ich über die hervorragende App: schnell, übersichtlich, durchdachte Benutzerführung, gute Kartenanbindung, dank facebook-connect auch soziale Empfehlungen von Freunden – und die Informationen und Bewertungen sind nach wie vor hochwertig, dazu angeschlossene Buchungssysteme für Unterkünfte usw., Merklisten – kurz: in der TripAdvisor-App findet man alles, was man zur Vor-Ort-Orientierung braucht. Wenn man Internet hat, eine Offline-Speicherung für bestimmte Informationen wäre noch hilfreich.

kaputte Community-Projekte

Wikitravel hingegen ist nach wie vor ein schlechter Witz – wo die Communities in anderen Portalen großartiges leisten, scheint hier fast nichts zu passieren, wenn es Informationen gibt, sind sie häufig kaum zu gebrauchen (aus sehr punktuellem Einblick auf ein paar Orte, die ich besucht habe). Ich kann das gut verstehen, während ich bei TripAdvisor vielleicht noch schnell eine Bewertung abgebe, weil es einfach funktioniert, würde es mir nicht im Traum einfallen, beim Reisen über die (aus meiner Sicht) nach wie vor kaputte MediaWiki-Editoren Informationen mühsam aufzubereiten.

Reisejournalismus par excellence

Eine der besten Informationsquellen, um einen Ort in kürzester Zeit zu erkunden: Die 36 hours der NYTimes sind ein Traum – brillante Tipps, traumhafte Orte, maximal motivierend beschrieben, man kann damit kaum falsch liegen – ausser vielleicht mit dem Budget, liegen die Empfehlungen doch eher bei Glamour als Gosse..

Die Klassiker

Dazu natürlich die ganzen Booking-Portale: agoda.com für Hotels, skyscanner für Flüge, selbst HRS spuckt teilweise sehr reduzierte Hotel-Preise aus. Während ich früher eher in der Kategorie Backpacker-Hostel gereist bin, checke ich jetzt regelmässig die Hotelportale und liege häufig mit einem schicken Zimmer kaum über den Backpacker-“Absteigen” (was diese nicht abwerten soll, die spannenderen Menschen und Geschichten findet man eher dort ;-)

 

so macht man Apps: HotelQuickly

Eine – dank Tipp einer netten Bekanntschaft im FabLab Bangkok – tolle Neu-Entdeckung: die App “HotelQuickly” entspricht exakt meinem Reisestil. Jeden Tag werden Angebote für den gleichen und den nächsten Tag veröffentlicht. Nichtmal ein Booking für übermorgen ist überhaupt möglich – und auch die Check-out-Daten sind stark limiert, oft zwischen ein und zwei Nächten, teilweise bis zu 4, 5 Nächten, nie mehr. Sehr ansprechend aufbereitet, die nötigsten Infos und eine kleine Auswahl für jeweils (oberes) Low-, Mid- und High-Budget, direktes buchen per kurzem swype – so macht man ein Angebot, das perfekt auf das Medium Smartphone ausgerichtet ist. Darüber habe ich tatsächlich mehrfach erfolgreich gebucht – und stimmte jedesmal mit der Empfehlung überein. Im Moment stark auf Asien ausgerichtet, bitte kommt auch überall sonst hin.
Und dank der mangelnden Abdeckung, insbesondere in Myanmar: Gelegenheit für nicht-digitale Suche vor Ort bleibt immer noch zuhauf..

funktionierende Communities

Natürlich musste ich mir auch anschauen, was sich auf YouTube so tut. Die Reiseblogger-Szene ist ja eine sehr agile, aber wie lässt sich (aufwändiges) Video und backpacken vereinbaren? Vorab: diese Recherche war sehr kurz, alles andere fügte sich sozusagen ins Reisen ein, auf YouTube abhängen nicht, das kann ich auch zuhause machen – deswegen folgt hier noch eine detaillierter Einschätzung.
Ich habe dennoch sehr spannende Channels entdeckt, hier die (noch kurze) Playlist. Da gibt es vom professionell geführten Reise-Channel – mit vor Ort-Berichten, mit zahlreichen Tipps&Tricks uvm. rund ums reisen:

bis hin zum quick&dirty ich quatsch in die Kamera-Hardcore-Traveller:

einfach alles.
Meine Vermutung bislang: entweder sehr intensives backpacken mit sporadisch gefülltem YouTube-Channel oder professioneller Channel (damit meine ich regelmässige Upload-Zeiten, Community-Engagement, Zielen und (sichtbaren) Entwicklungen usw.), dann aber eher im “Casual-Reisebereich zwischen Business- und Städtereisen”). Das ist aber, wie gesagt, erstmal ein erster Eindruck, mal sehen, was sich noch auftut.
Was sind eure Lieblings-Reise-Channels? Welche Bandbreite kennt ihr?
Trip It!

Zu guter letzt ein App-Tipp, für den ich sehr dankbar bin:
Trip it! – genial alltagserleichternde App. Jede Mail mit Buchungsbestätigung, egal ob von Hotel, Fluggesellschaft oder sonstwas an eine Mail-Adresse von tripit.com weiterleiten, App aufrufen und freuen. Reisen werden zu Trips zusammen gefasst, für jedes Event gibt es eine Seite in der App, sortiert nach Datum. Wenn ich jetzt also meine App aufrufe, zeigt sie mir die Boarding-Zeit (im Bezahl-Account sogar inklusive Gate, Verspätung etc.) an, meine Ankunft morgen früh in Kairo und meinen Weiterflug nach Berlin. Für nächste Woche dann ein neuer Trip, der heißt Stuttgart, dort mein Bahnticket inklusive Zeiten, dann die Übernachtung und die Rückreise. Keine Mails mehr suchen, im entscheidenden Moment nicht mehr finden usw. Perfekt, das wird meinen Alltag sehr erleichtern, danke Sascha Pallenberg für den Tipp! Ich bin noch gespannt auf den (deutschsprachigen) Alltag – erste Mails von Tagungshäusern musste ich teilweise Daten nacharbeiten, das ist mir mit englischsprachigen/vielleicht auch stärker standardisierten Antworten als denen von Tagungshäusern nie passiert.
mobiles Internet

Vielleicht noch zum Abschluß die Rahmenbedingungen, damit das alles überhaupt so funktioniert: mobiles Internet. Während es beim Reisen kaum noch möglich ist, in einem Cafe oder Hostel ohne W-LAN zu landen, braucht es für zahlreiche Beispiele dennoch Internet überall. Auf den Philippinen, in Thailand, in Myanmar, immer das gleiche Bild: Zahlreiche Mobilfunkanbieter belagern die Flughäfen mit günstigen Angeboten – zwischen 500 MB in 10 Tagen bis 1,5 GByte in 20 Tagen, alles zwischen 8 und 10 Euro, SIM ins Smartphone, binnen Sekunden routiniert konfiguriert durch die Mitarbeiter und sofort startklar, einfacher und komfortabler geht nicht. (Anders als in Indien: Karte beantragen, Ausweis-Kopie abgeben, am nächsten Tag abholen oder im besten Fall gleich mitnehmen und einen Tag warten, bis die Karte aktiviert ist – waren meine Erfahrungen der letzten Jahre.)
In Myanmar hat dieses mobile Internet im halben Land sehr gut funktioniert, teilweise schneller als die angebotenen W-LAN-Zugänge. Die witzigste Buchung per TripAdvisor/agoda.com hatte ich auf einem Schiff – bereits seit sechs Stunden unterwegs und noch vier weitere vor mir, irgendwo zwischen Mandalay und Bagan, mitten auf dem Fluss mit vollem Empfang. Die weiteren acht Tage hatte ich dafür überhaupt keinen mehr.

..oder doch lieber Offline?

Beliebt ist die Frage: Hast du dann überhaupt Urlaub gemacht? Wer digitale Medien immer noch als Bedrohung vom Privaten betrachtet und denkt, sie/er könnte noch Reisen, ohne damit in Kontakt zu kommen, möge einen Flug zum Mars buchen. Ohne Technik wirds dann aber auch schwierig. Spannender schien mir deswegen die sinnvolle Integration ins Reisen statt dem zwanghaften Versuch, die Dinge, die mir sonst den Alltag wertvoller machen, im Urlaub auszusperren. Wie oben beschrieben, vieles hat mein Reisen verbessert. Und die Facebook- und Mail-Apps lassen sich ja deinstallieren – oder geschlossen halten, je nach Selbstdisziplin und Bedarf ;-)

Von der Omnipräsenz von Smartphones in allen Ländern spreche ich hier jetzt nicht, auch nicht von den zu hunderten verkauften Selfie-Sticks, teilweise in der Deluxe-Ausführung mit Fernbedienung – und über buddhistische Mönche mit Smartphones habe ich bereits vor 12 Jahren berichtet.
Der hier hat schon über eine Million Follower.
Om.

 

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