so long, India

Obligatorisches letztes Posting, noch India..
Nach einem letzten Kultur- und Shopping-Tag nun also goodbye, traurig und froh zugleich – morgen um diese Zeit schon wieder in DE, unfassbar, wie die Zeit vergeht..
Berichte aus McLeodGanj und Delhi stehen noch aus und folgen die naechsten Tage – ebenso eine Abrechnung mit Indiamein Gesamteindruck, unabhaengig von Orten ;-)
Bye, bye India – auf ein Wiedersehen..
Himalayan on a Streetbike

Nach ein paar Tagen Entspannen in McLeodGanj, dem Sitz der Exilregierung des Dalai Lama – wozu ich noch eigens schreiben werde – musste nochmal etwas passieren. Ich hatte die Idee, das es ja moeglich sein sollte, auf dem Motorrad moeglichst viel des Himalaya zu sehen und moeglichst tief in die Taeler einzudringen. James und Val liessen sich davon begeistern und so mieteten wir in McLeodGanj 2 Mottoraeder, leider waren Bajaj Pulsar – Streetbikes – das beste, was zu haben war. Ausserdem kauften wir uns eine Streetmap. Das war es an Reisevorbereitung – Verhaengnisvoll, wie sich heraus stellen sollte..

Der erste Tag verlief wunderbar, langsam bewegten wir uns fort und gewoehnten uns an den verrueckten, indischen Verkehr und die schlechten Strassen ebenso wie an die schlechte Angewohnheit grosser Vehikel, das der staerkere gewinnt und der Schwaechere zu weichen hat – die Hupe sollte unser bester Freund werden..
Die Nacht in Mandi verbrachten wir in einem sehr schicken Hotel, leider gefiel es meinem Knie dort wohl so gut, das es mich zum bleiben zwingen wollte – es kugelte aus (das tat es zuweilen, seit ich mich in Indien aufhalte, allerdings erst das 2. mal so fies, das laufen nicht mehr ohne Schmerzen moeglich war – passenderweise das erste mal in der 1. Nacht der Kamel-Safari), und ich konnte nicht mehr wirklich laufen – nichts tun wollte ich aber auch nicht, schliesslich galt es den Himalaya zu bezwingen – so schleppte ich mich also zum Mottorad und tape-te das Knie im richtigen Winkel – es war das linke und so musste ich also nur gelegentlich schalten, was soweit auch ganz gut klappte.
Die Fahrt ging weiter durch wunderbarste Taeler und ueberraschenderweise auch einen Tunnel, bis nach Manali – da uns hier alles zu Tourimaessig war (Manali ist Trekking- und Outdoor-Hochburg Indiens) beschlossen wir, trotz fortgeschrittener Stunde und Kaelte weiter zu fahren und naeher an unseren ersten Pass zu kommen. Bei fortgeschrittener Dunkelheit fanden wir dann auch ein Guesthouse in Huettenromantik, schaebig, aber sauber. Unser Glueck sollte nur von kurzer Dauer sein, kaum angekommen, wollte uns der Angestellte wieder raus werfen, weil sich eine grosse Gruppe fuer die Nacht anmeldete und so mehr Kohle zu machen war – nur unter vereinigten Kraeften konnten wir uns wehren und den Rauswurf vermeiden – etwas zu Essen zu bestellen trauten wir uns allerdings auch nicht mehr, keine Lust auf unappetitliche Unmutsaeusserungen indischer Angestellter..
Ein Erwachen in wunderbarster Alpen-Himalaya-Romantik sollte unsere Hartnaeckigkeit belohnen. Leider mussten wir trotzdem noch einmal zurueck, da wir die letzte Tankstelle fuer die naechsten hunderte Kilometer in der Dunkelheit verpasst hatten. Dann aber konnte es aufwaerts gehen, in luftige Hoehen – heute sollten wir zum ersten Pass kommen, 4000 m hoch. Doch dahin feinstes Serpentinen-Kurven, grandioser Ausblick, weisse Riesen, die sich uns immer deutlicher naeherten. Und erste Ueberraschungen auf der Strasse: Ein Schmelzwasser-Fluss hielt den Verkehr auf, wir hatten einen ca. 20 m breiten Strom zu durchqueren – in dem Moment verursachte das noch Adrenalin-Stoesse, in der Rueckschau war das noch das kleinste Abenteuer.
Ausserdem viele arbeitende Menschen, darunter diese Strassenarbeiter, die mit primitivsten Mitteln und unter hohem Gesundheitsrisiko Teer zum reparieren der Strasse herstellten. Weiter immer wieder Trucks und Autos, die auf den unbefestigten Strassen uebers Ziel hinaus stuerzten und zum Teil hunderte Meter tiefer zum erliegen kamen – ob die Wracks als Mahnmale liegen blieben oder schlichtweg die technischen Moeglichkeiten zur Bergung fehlen, weiss ich nicht..
Unterwegs dann nochmal etwas sehr abgefahrenes: Auf einem Stueck Gletscher hunderte Inder, den Kennzeichen zufolge aus ganz Indien im Urlaub hier, die Wintervergnuegen wie “auf einem Reifen den Hang hinab rutschen” und aeh, ja, das wars eigentlich schon und auf dem Eis rumstehen, froehnen, und dabei unglaublich gluecklich aussehen – und, ich kann es nicht anders sagen, auch unglaublich daemlich. Das hat auch seinen Grund, man hat hier den Eindruck, jedes Teil Winterbekleidung, diese ganzen abscheulichen Verbrechen an der Aesthetik aus den 90igern, lilafarbene Einteiller, die jeden Skifahrer wie einen Teletubbi aussehen lassen, die die westliche Welt laengst verlassen haben, seihen hier gelandet – und traurigerweise auch jeder Pelz, den sich bei uns gottseidank niemand mehr traut anzuziehen, wenn nicht aus Ueberzeugung dann aus Angst vor Ueberzeugungstaetern..
Nach diesem Ort des skurillen Vergnuegens dann eine Ueberraschung fuer uns. Eine Planke in Form eines Stuecks Holz legte sich uns in den Weg, als wollte sie sagen: Der Pass ist geschlossen. Auf Nachfrage bei einem Polizisten dann also die Auskunft: Der Pass war geschlossen. Wir koennten es versuchen, er glaube aber nicht, das wir den Pass ueberwinden koennten und wenn dann nur auf eigene Gefahr – auf welche Gefahr denn bitte sonst? Nunja, aller Vernunft zum Trotznatuerlich raeumten wir die Planke aus dem Weg und begingen weiter unseren Weg. Weitere Stunden wunderbarster Bergromantik, traumhaftem Ausblick und waermender Sonnenstrahlen. Bis uns die ersten Locals auf Bikes entgegen kamen, die aufgegeben hatten, weil sie nicht durch das knietiefe Matsch-Schnee-Gemisch kamen. Aber wir sollten es versuchen – taten wir auch.
Das waren dann auch sehr lange, anstrengende Stunden, die vor uns lagen – tatsaechlich lag, je hoeher wir kamen, immer mehr Schnee, die Strassen wurden immer schlammiger bis sie nur noch durch die Meter hohen Waende aus Schnee links und rechts zu erkennen waren. Immer mehr Pfuetzen – was eine fantastische Untertreibung ist – waren zu durchqueren, knietief und sticky, unsere Bikes begannen beim durchqueren abzusterben, was natuerlich ein absteigen zur Folge hatte, was unsere Schuhe, Socken, Fuesse, Hosen nicht unbedingt trockener machte – vom Aussehen, ja, da fangen wir gar nicht erst an..
Als wir den Scheitelpunkt dann ueberquert hatten, in der Hoffnung, da wuerde alles besser, mussten wir dann nach 30 Minuten enttaeuscht werdens eine Entscheidung treffen. Wir fuhren in ein Tal, aus dem kein Weg heraus fuehrte – der Weg nach Norden fuehrte nach Kaschmir und Leh ueber den 2. hoechsten Pass der Welt. Der andere Weg nach Osten fuehrte ins Spitti-Tal, das Ziel unserer Reise – allerdings ueber einen Pass, der 500m hoeher lag, als dieser hier. Mit der neuen Erfahrung war uns klar, das es zur Ueberquerung mit unseren Streetbikes keine Chance gab. Also entweder zurueck nach Manali, das waren allerdings 6 Stunden, was ein Fahren bis in die kalten Nachtstunden bei nassen Klamotten bedeuten wuerde. Oder ein Fahren ins Tal, hoffen, das dort ein Guesthouse existiert und den Pass am naechsten Tag meistern. Wir entschieden uns, vor allem, da unsere Fuesse und Zehen zu schmerzen begannen, fuer das Tal und versuchten moeglichst schnell nach unten zu kommen – mussten aber immer wieder halten, da wir unsere Zehen nicht mehr spuerten, trocken reiben, am (manchmal vorhandenen) warmen Beton waermen usw. – es wurde richtig kalt. Im Tal dann die grosse Erleichterung: Eine von der Regierung betriebene Notunterkunft – leider funktionierte kein warmes Wasser, die Raeume waren dreckig, was aber eher egal war – aber unverschaemterweise gab es ne Preisliste, die fuer Nicht-Inder den vierfachen Preis vorsahen, bei gleicher Leistung und insgesamt voellig ueberteuert.. doch wir hatten keine Wahl..
Aber wir hatten einen Foen, JamesVal sei Dank, womit wir unsere Zehen wieder erwecken konnten und unsere Schuhe und Socken einigermassen trocknen konnten. Ein kalter Abend und eine sehr kalte Nacht, in der so ziemlich alle Kleidungsstuecke, die ich dabei hatte (wir reisten natuerlich nur mit wenig Gepaeck, der Hauptteil blieb in McLeodGanj) zum Einsatz kamen, erwachten wir bei traumhaftem Ausblick und Wetter, diesmal inmitten des Himalaya – unglaublich!
Nach einem waermenden Chai machten wir uns dann traurigen Herzens auf den Rueckweg – uns war klar, das dieses Tal so wunderbar ist und wir die einzigen Touristen inmitten der Bergmenschen – das es uns tatsaechlich sehr schwer fiel, zurueck zu fahren.
Was auf halbem Weg zum Pass dann auch zur Entscheidung fuehrte, dass der Pass auch ein paar Tage spaeter bezwungen werden kann und wir lieber noch tiefer in den Himalaya vordringen werden. Gesagt, getan – umgekehrt und auf in Richtung Keylong, der Distriktshauptstadt. Die Einheimischen erklaerten den Weg als einfach und gut ausgebaut – das sie darunter etwas anderes verstehen als wir, war mittlerweile klar – lediglich 2-3 Fluesse gaebe es zu ueberwinden. Da wir ja mittlerweile Profis darin waren, sollte das kein Problem darstellen..
Die Streams waren dann tatsaechlich relativ einfach zu meistern, unter normalen Umstaenden haette ich das als deutliche Hindernisse empfunden, nach dem gestrigen Tag war das eher zum grinsen. Der eine war etwa 15 m breit und gut einen halben Meter tief. Der andere war spannender, da er, anstatt die Strasse einfach zu kreuzen, fuer ca. 60m in ihr entlang floss..
Unterwegs fing dann James Bike an, komische Geraeusche zu machen, nach kurzem Check stellten wir fest, das es Oel verlor und auch schon fast leer war – so machte ich mich also in die naechste Stadt auf um Oel zu besorgen. Das Bike lief dann gottseidank auch wieder normal und ohne komische Geraeusche, denn ein maechtiger Sturm tat sich auf und von 2 Seiten kamen Gewitter auf uns zu – also nichts wie auf nach Keylong, welches wir gerade noch vor dem Gewitter, aber inmitten des Sturms erreichten..
Der naechste Tag sollte genauso schlechtes Wetter fuer uns bereit halten und von Busfahrern erfuhren wir, das es auf dem Pass die ganze Nacht schneite und er fuer alle Fahrzeuge ausser speziellen Jeeps gesperrt wurde. Als dann auch noch mein Bike mit einem Platten da stand, entschlossen wir uns schweren Herzens, ueber den Pass einen Jeep zu mieten, der uns und unsere Bikes sicher wieder in die Zivilisation bringen sollte (und auch dieser meisterte den Pass nicht ohne Schwierigkeiten, siehe Foto)..
Der Rest der Reise war dann also eher unspektakulaer, die Strassen waren viel zu passierbar und so konnte nur noch ordentlich Speed die fehlende Herausforderung ausgleichen..
Aber wir waren in Keylong, die ersten Touristen, die dieses Jahr den Pass per Mottorad ueberquerten, wofuer wir auch ordentlich Anerkennung von den Locals einheimsten. Und Keylong ist ein fantastisches Bergdorf und sicher mit hunderten von Touristen, die dort die naechsten Wochen bei offenem Pass aufschlagen werden, nur halb so schoen..
(Fotos 2, 18, 20 und 27 by James Vivian und Val Voyer, nicht unter CC)
undertube.tv fuer Grimme Online Award nominiert
Yeah, wir sind mit undertube.tv fuer den Grimme Online Award nominiert:
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Ansonsten gibt es die naechsten Tage wieder Geschichten aus India, ich war inzwischen in der Wueste, auf Kamel-Safari, im ekligen Ratten-Tempel, beim bezaubernden goldenen Tempel von Amritsar und zuletzt ueber eine Woche mit einem Mottorad im Himalaya unterwegs – 2 Tage davon eingeschneit tief im Tal..
Stay tuned..


