Der Goldene Tempel – Amritsar

27 Apr 2008

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Naechste Station: Der unglaubliche Goldene Tempel in Amritsar, spirituelle Heimat der Sikhs, viertgroesste Religion in Indien.

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Zum goldenen Tempel muss man gar nicht viel sagen, es war schlichtweg umwerfend. Ich war erst am Tag, dann zum Sonnenuntergang und bin um 4 Uhr aufgestanden, um auch den Sonnenaufgang zu bestaunen – fantastisch.
In den Innenbereich des Tempels darf man nur ohne Schuhe (und das nehmen sie sehr genau, selbst Rucksaecke werden z.T. durchsucht, damit niemand Schuhe mit ins Innere nimmt) und mit betuchtem Kopf – ein freundlicher, aelterer Sikh machte mir mit viel Muehe einen wunderbaren Turban:

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Die Stimmung war toll, die Menschen sehr offen, kamen immer wieder auf uns (James, Val und mich) zu, wollten mit uns fotografiert werden – komischerweise mit unseren Kameras, so hab ich also zig Fotos von fremden Menschen, posend vor dem goldenen Tempel, auf meiner Kamera – luden uns zum Essen zu sich nach Hause ein usw. – sehr schoenes Erlebnis. Und eben der goldene Tempel, der ganze Platz drum herum, das Wasser, in dem die Glaeubigen badeten – aber wie gesagt, das muss man erlebt haben..

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Und 2 grandiose Geschichten erlebt, die muessen aber in ner Kneipe, bei nem Bier erzaehlt werden, um zu unterstreichen, wie voellig verrueckt Indien ist und was einem hier staendig passiert – Wahnsinn (in seinem urspruenglichsten Sinne)!

(Turban-Foto by Val Voyer und damit nicht unter der ueblichen CC-Lizenz)

Karni Mata

25 Apr 2008

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Auf der Reise von Jaisalmer nach Amritsar war ich gezwungen, einen Zwischenstopp fuer einen Tag in Bikaner einzulegen, die Zugverbindungen passten hier nicht wirklich zu den Busverbindungen. Dafuer lernte ich im Bus nach Bikaner James und Val aus Kanada kennen, mit denen ich noch einiges erleben sollte..
Bikaner war die bislang dreckigste Stadt in ganz Indien, selbst vor Kolkatta. Alles sehr, sehr runtergekommen, trostlos, baeh..

Da ist die groesste Sehenswuerdigkeit nur bezeichnend fuer den Platz:
Karni Mata, der Rattentempel.

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Der Legende nach sind die Ratten Inkarnationen von was auch immer – sorry, der Tempel hat mich so abgestossen, das ich auch keine Lust auf Recherche habe – und im Tempel leben Tausende davon – alles ist unglaublich dreckig, man muss zu allem Ueberfluss auch noch barfuss durch diesen ganzen Dreck laufen und haengt gedanklich zwischen “Ich brauch ne Dusche” und “Oh gott, wieviel Infektionskrankheiten moegen hier wohl versammelt sein”. Die Besucher hier glauben daran, das die Suessigkeiten, die von Ratten bespuckt werden, besonders heilsam sind – ich konnte mich kaum zurueck halten, diese Koestlichkeiten zu verspeisen – ging dann aber doch ganz gut..
Achja, ich hab jetzt auch unendlich viel Glueck – das bekommt man naemlich, wenn man eine weisse Ratte sieht – ich bin mir nicht sicher, ob das auch gilt, wenn sie tot in ner Ecke lag, aber wenn ich fest genug daran glaube, wird es schon klappen ;-)

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Rajasthan – der Wuestenstaat

23 Apr 2008

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Rajasthan ist ein unglaubliches Land, schon in den ersten Minuten nach Betreten begegneten mir zahlreiche Kamele, die hier allgegenwaertig sind. Was fuer geniale Tiere, immer relaxt, immer am (wieder-)kaeuen, immer mit einem voellig teilnahmslosen Blick, als ginge sie das alles gar nichts an.. aber davon spaeter mehr, wenn es tief in die Wueste geht.

Erstmal war ich in Jaipur, der Landeshauptstadt. Auch hier, wie in den Wuestenstaedten ueblich, ein maechtiges Fort. Ausserdem der Sitz des Maharadscha von Rajasthan, der, wenn ich es richtig verstanden habe, seit der Unabhaengigkeit Indiens zwar keine politische Funktion mehr inne hat, aber repraesentative Aufgaben wahr nimmt. Auf jeden Fall wohnt er sehr schoen ;-)

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Wie Alice im Wunderland fuehlte ich mich im astronomischen Zentrum eines frueheren Maharadschas, der die Astronomie mehr verehrte als den Krieg – eine echte Ausnahme zu seiner Zeit.

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Doch am besten an Rajasthan war eindeutig Jaisalmer – inmitten der Wueste ganz im Westen zu Pakistan hin. Ein unglaubliches Fort, zu jeder Tages- und Nachtzeit erhaben glaenzend ueber der Stadt.

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Und nach Jaisalmer kommt man normalerweise, um eine Kamel-Safari zu starten. Ich entschied mich, gemeinsam mit Lauren und Vicky aus Plymouth, England, fuer eine 4-Tages-Non-Touristic-Safari (lustiger Fakt: Inzwischen entscheiden sich mehr Touris fuer die Non-Touristic-Safari: Gottseidank ist die Wueste noch gross genug, das man nicht staendig anderen Touris begegnet..).

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Die Safari war unglaublich, wir hatten tolle Guides, Abdul-Chacha, King of the Dessert und Suma, ausserdem noch Simon (so hiess er nicht wirklich, sein Name war aber so unaussprechlich, dass er kurzerhand von den Maedels umgetauft wurde), der etwas nervige “Auszubildende”, der nicht dazu lernen wollte, egal wie oft man ihm etwas sagte.. naja..

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Unterwegs manchmal Wuesten-Doerfer, manchmal stundenlanges suchen nach einer Wasser-Stelle, die nicht ausgedoerrt war, einmal ein kleiner Tempel und ansonsten: Nichts als die Leere der Wueste, Sand, verdoerrtes..

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und Durst.. fuer jeden waren 9 Liter Wasser am Teig eingeplant, die ich auch locker verbrauchte – und dennoch: Durst die ganze Zeit, das Wasser war ueber Nacht kalt geworden und so gut trinkbar, dann ueber den Tag immer heisser und wenn man es am dringendsten brauchte, mittags, wenn man 4 Stunden Pause machte, weil es fuer Mensch und Tier zu heiss wurde – war auch das Wasser zu heiss um genossen zu werden. – dafuer dauerte das Zubereiten des Tees nur Minuten, das Wasser hatte annaehernd die richtige Temperatur..
Das entsprach auch dem Gefuehl, das sich nach Stunden einsamen (man reitet in einer Karavane, was bedeutet, das man letztlich allein auf seinem Kamel in einer langen Reihe vor sich hin trottet) Reitens durch die Wueste einstellte: Einsamkeit, Leere, Duerre. Ich entschied mich fuer diese lange Tour (die meisten buchen eine Nacht, 2 Tage), weil ich genau das spannend fand: Wie fuehlt es sich an, wenn man lange unter dieser unglaublichen Sonne in dieser Leere unterwegs ist – und war dennoch ueberrascht, das sich das Gefuehl so schnell und so deutlich einstellte. Das ganze wurde sicherlich auch unterstuetzt durch das aeusserst langsame, monotone Gehen der Kamele. Gottseidank konnten wir am 2. Tag, als wir das reiten auch besser beherrschten, dann im Gallop etwas mehr Action in das oede Wuesten-Leben bringen.

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Der Tagesablauf aber blieb: Morgens um 7 aufstehen (die Guides waren da schon ein, zwei Stunden unterwegs, um die Kamele zu suchen und zu versorgen), Fruehstuecken, Lager zusammen packen, Sitze und Gepaeck auf Kamele laden, etwa um 9 ging es dann los, 2 – 2,5 Stunden reiten, mit viel Glueck eine Wasserstelle fuer die Kamele finden – dann Mittag, 3-4 lange Stunden des Abhaengens, lecker Essen, allerdings etwas eintoenig nach ein paar Tagen – natuerlich meist Reis, immer Chapatis (Fladenbrot aus Hirsemehl), ein bisschen Gemuese, sehr scharf.. Zwischen 3 und 4, je nach Hitze ging es dann weiter, 3-4 Stunden reiten, bis eine Wasserstelle fuer die Kamele gefunden war – einmal am Tag trinken ist ein Muss, wesentlich besser gelaunt sind die Kamele, wenn sie 2mal am Tag Wasser bekommen – ich war etwas ueberrascht, dachte, so ein Kamel kann tagelang ohne Wasser, kann es zur Not auch, schlaegt aber deutlich auf die Stimmung. Ebenso ist das landlaeufige Wissen, das Kamel speichere Wasser in seinen Hoeckern, falsch – tatsaechlich speichert es dort Fett, das Wasser wird ueber den Koerper verteilt gespeichert. Interessant ist aber, das Kamele bis zu 200 Liter Wasser in 15 Minuten in sich hinein pumpen koennen – das Tempo des Trinkens war tatsaechlich unglaublich.. Abends dann Lager errichten, nochmal Kochen, Geschichten am Lagerfeuer erzaehlen, erschoepft und gluecklick, das die Nacht angenehm kuehl (bis kalt im Morgengrauen) ist, einschlafen..

Desert-Life is hard..

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17 Apr 2008

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Nach den Erfahrungen in Kolkatta war es mir ein dringendes Beduerfnis ein bisschen “Urlaub” zu erleben – ausserdem machte mich die Hitze (mittags zwischen 41 und 43 Grad, puh) voellig fertig. So entschied ich mich also entgegen allen Low-Budget Grundsaetzen fuer ein Mittelklasse-Hotel mit Pool.

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Dieser und der voellig unglaubliche Taj Mahal sorgten dann auch fuer eine recht schnelle, dringend angesagte “Genesung” und ein deutliches Gefuehl von Urlaub tauchte wieder auf.

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Ich hab leider kein gutes Foto-Wetter erwischt (bessere findet man hier), war trotzdem sehr beeindruckt.”Das unglaublichste Gebaeude, das je aus Liebe erbaut wurde” titelt der Lonely Planet, Tagore beschreibt es als “Traene im Anlitz der Unendlichkeit”.
Als Sha Jahan’s Frau im Jahre 1631 bei der Geburt des 14. Kindes starb, war er so Ungluecklich, so heisst es, das sein Haar in einer Nacht ergraute. Er liess zu Ehren seiner Frau dieses gewaltige Mausoleum bauen, das heute Indiens Wahrzeichen Nummer Eins ist. Das lassen sie sich auch gut bezahlen, mit 12,50€ war das Taj Mahal das bislang teuerste Erlebnis in Indien – wobei ich schon weit mehr fuer “Weltwunder” bezahlt habe..

Free Tibet (II)

Teil 1 aus Nepal

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In Kolkatta begnete ich auch noch einigen Tibetern, die Gespraeche hielten sich leider mangels ihrer Englischkenntnisse in Grenzen, sie verteilten aber auf ihren friedlichen Zuegen Informationen auf Englisch.
(Traurig uebrigens, dass man friedlich jetzt schon dazu schreiben muss – das konnte man auf tibetischer Seite mal vorraussetzen. Schon klar, jetzt kann man tausend rechtfertigende Dinge von wegen sonst werden sie ja nicht gehoert und blablabla rauslassen, aber 1. rechtfertigen sie das nicht und 2. glaub ich mittlerweile, das sich die Tibeter durch die ganze Sache mehr genommen haben als sich genuetzt).Der Text, den sie im Namen des Dalai Lama verteilt haben:

An Appeal
by H.H. The Dalai Lama

I would like to express my appreciation and gratitude to the world leaders, Parliamentarians, NGOs and members of the public who have expressed their concern over the recent deeply saddening and tragic events in Tibet. I am also grateful for their efforts to persuade the Chinese authorities to exercise restraint in dealing with the peaceful protesters, while at the same time calling for meaningful dialogue to resolve the issue.

I believe the recent demonstrations and protests are a manifestation of the deep-rooted resentment not only of the Tibetan people in the so-called Tibet Autonomous Region (TAR), but also in the outlying traditional Tibetan areas now incorporated into Qinghai, Gansu, Sichuan and Yunnan provinces, where there exist substantial communities of ethnic Tibetans.

According to reliable sources, the Chinese authorities have deployed large contingents of troops in these traditional Tibetan regions and have not only started to crack down heavily on the Tibetans allegedly involved in the unrest, but also sealed off the areas where protests have taken place.

I therefore appeal for your continued support in calling for an immediate end to the current crackdown, the release of all those who have been arrested and detained, and the provision of proper medical treatment to the injured. We are particularly concerned about the lack of adequate medical facilities, as there are reports of many injured Tibetans being afraid to go to Chinese-run hospitals and clinics.

I would also request you to encourage the sending of an independent international body, to investigate the unrest and its underlying causes, as well as allowing the media and international medical teams to visit the affected areas. Their presence will not only instill a sense of reassurance in the Tibetan people, but will also exercise a restraining influence on the Chinese authorities.

Ist auch ueber dalailama.com verifizierbar. (Sehr gute Seite uebrigens, war mir neu – inklusive aktueller Feeds. Respekt!)

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Weiter hab ich mir die Oulook-India gekauft, da sie titelte:

Is he a problem for India?

Und, wie es sich fuer objektiven Journalismus gehoert, auch gleich noch auf der Titelseite selbst antwortet:

Yes, Dalai Lama complicates relations with China

Im uebrigen geht es im Artikel dann mit selber Tonalitaet weiter, eroeffnet wird mit:

His Holiness, the Dilemma

Den ganzen Artikel hab ich mal abfotografiert, ich hoffe, er ist einigermassen zu lesen..

Seite1-2
Seite3
Seite4
Seite5
Seite6
Seite7
Seite8

Das ganze ist sehr bitter, soll jetzt aber keinen falschen Eindruck vermitteln. Die meisten Inder inkl. dem groesseren Anteil der Regierenden stehen sehr hinter dem Dalai Lama und dem tibetischen Volk. Fuer Indien ist Tibet ein sehr heiliges Land, das in der Vergangenheit oft Ziel von Pilgerreisen war (umgekehrt gilt dies uebrigens auch fuer Indien fuer die Tibeter). Insofern ist die Beziehung oder gar die vielen tibetischen Camps und die Exilregierung nicht gefaehrdet. Bitter ist es dennoch, wenn sich eine selbsternannte Bildungselite in diesem Masse abhebt.

Auch noch ein paar Links zu interessanten Blogbeitraegen:
Stefan Niggemeier – Ein Nepal fuer ein Tibet vormachen. Niggemeier klagt die mangelnden Bildrecherchen zum Thema an, und hat Recht damit (auch wenn jetzt nicht so wichtig fuer das Thema), dennoch wird mal wieder die unsaubere Arbeit unserer Massenmedien deutlich – und bleibt somit deutlich anzuzweifeln.

Spiegelfechter – Blutige Niederschlagung oder Pogrom?. Auch Instant-Karma gegen das Reich der Mitte ist lesenswert, insbesondere die Kommentare. Beide Artikel haben bei mir erstmal Gegenwehr erzeugt, sind aber dennoch nicht falsch. Gerade bei diesem Thema ist man sehr versucht, Gut und Boese klar und eindeutig zuzuschreiben und bestimmte “Tatsachen” einfach so hinzunehmen. Meine Informationen bislang stuetzten sich tatsaechlich primaer auf die Aussagen des Dalai Lama, z.B. aus seiner Autobiografie (“Das Buch der Freiheit“). Insofern bin ich nach Lektuere obiger Beitraege etwas skeptischer zum Thema.

Letztlich bleibt meine Grundaussage, menschenrechtlich und kulturell muss sich in Tibet etwas tun – (geo-)politisch sieht die Lage wohl nicht so klar aus, wie sie scheint – bzw. von tibetischer Seite dargestellt wird. Und was an politischer Lobbyarbeit, auch von Deutschland aus passiert, damit moechte man gar nicht anfangen: Fass ohne Boden, ich hab euch gewarnt!

Aber die Franzosen sind eh mal wieder die Koenige der Revolution, kann man sich ne Scheibe abschneiden :-)